Tja, viel aufregender kann der Arbeitstag nicht beginnen: Nachdem die ersten Telefongespräche Routine darstellten, kam der Hammer des Tages gleich zu Anfang an mein Ohr.
Kunde meines Arbeitgebers war er nicht. Auch hatte er weder Vertragsfragen, geschweige denn brauchte er Hilfe für die Einrichtung eines WLAN-Routers. Er war einfach nur verzweifelt, die Stimme klang dennoch bestimmt.
„Ich weiß, dass Sie lügen müssen. Manchmal. Wenn Sie das aber tun, so sagen Sie lieber nichts, denn das ist besser als lügen“

Macht nichts, denn ich kam ja nicht einmal zum Lügen, hätte ich denn gewollt – er überfiel mich mit Redeschwall, bestimmt 6 Minuten am Stück bevor ich zu Wort kam. An konkrete Sätze erinnere ich mich dennoch oder gerade deswegen nicht mehr. Nur so viel: Es ging u.A. um seine Frau, die warum auch immer in Lebensgefahr steckt. Es ging auch um Schweizer Polizeibeamte, wo ich ihm auch bestätigen musste, dass ich keiner bin. Und Asyl war noch eines von ein paar Schlagworten, die mir jetzt noch in Erinnerung sind. Aber Sinn in diesem Wirrwarr habe ich bis heute keinen gefunden.
Ca. 11 Minuten ging das Gespräch. Souverän wie ein Hotliner sein muss, hatte ich natürlich auch dafür eine Lösung: Das Auswärtige Amt hat diese und ähnliche Fälle bestimmt Dutzenfach gehört.